Die Dorfgeschichte von Hofen: Von der Entstehung bis heute

Aus einem Gutshof entsteht ein Dorf

Im Jahre 1258 findet Hofen in den Geschichtsbüchern seine erste Erwähnung als »Hof zu Hova«. Anfänglich gehörte dieser Hof dem Kloster St. Georgen in Stein am Rhein, im 15. Jahrhundert gelangte der Besitz dieses Hofes an die Herren von Stoffeln, erst im Jahre 1538 wurden alle Besitzerrechte des »Hof zu Hova« durch einen Verkauf an Schaffhausen übergeben, ab 1660 gehörte der »Hof zu Hova« dem Bürgermeister Johann Mäder.


Die Zeit vom Bürgermeister Tobias Holländer von Berau

Geburt und Karriere

Am 24. Februar 1636 wurde Tobias Holländer als Sohn des Baslers Conrad Holländer geboren und erhielt noch im selben Jahr das Schaffhauser Bürgerrecht. Seine Karriere begann zuerst als Pfarrer und Lehrer, später studierte er an verschiedenen Universitäten, bis er im Jahre 1661 in die Zunft der Gerber und als Mitglied des Kleinen Rates gewählt wurde.

Gemälde von Tobias Holländer. Grösserer Umfang von
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Bürgermeister Tobias Holländer (1636 - 1711) auf einem Gemälde

Von da an ging seine politische Karriere steil bergauf. 1665 wurde er Vogtrichter von Thayngen, 1672 Säckelmeister, 1679 Obervogt von Thayngen, 1678 erhielt er den Adelstitel »von Berau«, 1682 Ernennung zum Stadthalter und 1683 wurde er Bürgermeister. Somit bekleidete er das höchste politische Amt des Standes Schaffhausen.

Altes Buch mit Wappenbild rechts, darüber ein Siegel
Der vom Churfürsten Carl Ludwig am 15. Januar 1678 ausgestellte Adelsbrief an Tobias Holländer für die Erhebung in den Adelsstand.

Der Aufbau eines Herrensitzes auf dem »Hof zu Hova« von Tobias Holländer

Am 18. Januar 1684 kaufte Tobias Holländer den »Hof zu Hova« für 1100 Gulden und errichtete dort seinen Adelssitz, das berühmte Holländerhaus.

Holländerhaus von vorne. Grösserer Umfang von 8¼ KB
Frontansicht des Holländerhauses: Der Herrensitz von Tobias Holländer.

Holländer war sehr ehrgeizig, als Vorbild diente ihm Ludwig XIV. Daher baute er seinen Sitz als kleine Festung auf; Teile der umschliessenden Ringmauer sind heute noch zu sehen. Selbst eine eigene Armee fehlte nicht, weshalb er neben dem Holländerhaus auch eine Kaserne für die Leibgarde baute.

Vorderseite der Kaserne. Grösserer Umfang von 19¾ KB
Die Kaserne, in welcher Tobias Holländer seine Privatarmee unterbrachte

Als charakteristisches Bannerzeichen seiner Armee diente die weisse Lilie, wie sie auf den roten Fensterläden der Kaserne heute noch zu erkennen ist. Als König der Tiere gilt bekanntlich der Löwe, zu dieser Zeit also der Bürgermeister Holländer, sodass als Folge das auch noch heute gültige Gemeindewappen den bekannten gelben steigenden Hofemer Löwen (=Wappentier der Familie Holländer und der Niederlande) trägt.

Hofemer Gemeindewappen
Der stolze Wappentier-Löwe mit Lilie als Symbol für Macht und Beherrschung

Zwischen dem Holländerhaus und der Kaserne befand sich der Exerzierplatz für die Armee, wo heute die markanten Treibhäuser der Gärtnerei Weber stehen.

Das vorläufige Ende seiner politischen Laufbahn

Holländers Ziel war die Herrschaft über den ganzen Reiat. Damals gehörte der übrige Reiat der oberösterreichischen Regierung, für 20'000 Gulden erhielt die Stadt Schaffhausen nur pfandweise die Rechte für 15 Jahre. Da der österreichische Kaiser nicht zu einem Handel bereit war, versuchte Holländer mit allen möglichen Tricks und Lügen doch noch zu seinen Gunsten zu kommen, was ihm leider misslang. Als Folge verlor das Hofemer Volk allmählich das Vertrauen in ihn, zudem wurde er richterlich angeklagt wegen Missbrauchs seiner Vollmacht. Als Folge erhielt er eine Busse von 200 Gulden. Dadurch wurde er des Bürgermeisteramtes überdrüssig und erklärte daher am 11. März 1695 seinen freiwilligen Rücktritt. Danach lebte Holländer zurückgezogen in seinem Miniaturschloss.

Der letzte politische Akt von Holländer und sein Ende

Im Jahre 1699 erhielt er von der Stadt Schaffhausen erneut den Bürgermeistertitel sowie den Auftrag, die Verhandlungen mit Österreich für eine Übernahme des Reiats noch einmal aufzunehmen: Der Versuch scheiterte kläglich. Am 31. August 1711 verstarb der »Diktator« im Alter von 75 Jahren.


Die Übernahme des Reiats durch Schaffhausen

Wegen der verschiedenen Interessen von Österreich und Schaffhausen wurde 1716 und 1719 Johann Felix Wepfer nach Wien ausgesandt. Mit einer ungeheuren Verhandlungsausdauer brachte er den österreichischen Kaiser doch noch dazu, 1723 den Reiat für 221'744 Gulden an Schaffhausen zu verkaufen. Seither gehört der Reiat nun endgültig zu Schaffhausen und damit zur Schweiz. Gleichzeitig erhielt der »Hof zu Hova« auch seinen heutigen Namen »Hofen«.

Unabhängigkeit von Bibern

Nach dem Tode von Tobias Holländer wurde die Gutsherrschaft an drei Enkelkinder von Tobias Holländer aufgeteilt. Die drei Teile des ehemals grossen Besitzes wurden dann teilweise der Nachbargemeinde Bibern und teilweise direkt an Bürger von Bibern verkauft. Die Gemeinde Bibern teilte ihren Teil dann unter den 24 Bürgern auf. So standen am Ende des 18. Jahrhunderts die Liegenschaften des ehemaligen Holländer-Gutes unter der Gemarkung von Bibern.

Einige Bibermer Familien zogen dann nach Hofen aus und bewirtschafteten das Land, andere Güter wurden von Bibern aus bewirtschaftet. Im Laufe der Jahre entwickelte das Dörfchen eine weitgehende Autonomie, indem die Hofemer die Verfassung und die Gesetze geschickt zu nutzen wussten. Es wurden Gemeindeversammlungen abgehalten und ein Gemeindefonds wurde angelegt. Man wählte sogar einen eigenen Gemeinderat. Schliesslich banden nur noch das Armen- und das Fertigungswesen (Liegenschaftsverwaltung) die Hofemer an die Muttergemeinde Bibern. Im Jahre 1838 gründeten die Hofemer dann eine eigene Schule für die Kinder. Man wollte nicht mehr, dass die Schulkinder aus Hofen über Mittag bei Brot und Wasser in Bibern herumlungern und das auch im tiefsten Winter. Der Ruf nach völliger Eigenständigkeit wurde immer lauter. Viermal wurde in dieser Sache eine Petition an die Regierung in Schaffhausen gestellt; jedesmal ohne Erfolg. Die Bestrebungen scheiterten immer an der Frage der Verteilung der Armenlasten. 40 Familien mit Bibermer Bürgerrecht wohnten damals auswärts. Viele von ihnen waren arm und mussten von der Gemeinde unterstützt werden. Bibern befürchtete eine Kostenexplosion bei den Gemeindelasten, wenn die armen Leute nicht auf beide Gemeinden verteilt würden.

Im fünften Anlauf gelang dann die gewünschte Trennung, wenn auch nach zähen Auseinandersetzungen. Diese Petition war 1858 von Gemeinderat Jakob Bührer geschrieben worden, der nach der Loslösung der erste Präsident von Hofen werden sollte. Geschickt beriefen sich die Hofemer auf den Werdegang des Dorfes, das nun 125 Einwohner zählte. Bibern fürchtete sich weiterhin vor der finanziellen Belastung und bat den grossen Rat ihrerseits, das Hofemer Anliegen abzulehnen.

Der Grosse Rat in Schaffhausen erliess dann für die Gemeinden ein Dekret, bei der die beiden Dörfer zwar in vielen Bereichen getrennt gewesen wären, aber zusammen einen Gemeinderat und nur einen Präsidenten gehabt hätten. Mit diesem Kompromiss war Bibern nicht einverstanden und berief sich darauf, dass das Dekret die Kantonsverfassung verletzen würde. (Auszug aus der Verfassung: »Jede Gemeinde hat das Recht, einen eigenen Gemeindepräsidenten zu wählen.«). Wenn die beiden Gemeinden schon getrennt werden müssten, dann konsequent, war die Meinung von Bibern. Der Rat zeigte Verständnis und erliess ein neues Dekret worin beide Gemeinden für vollständig politisch unabhängig erklärt wurden.

Wegen einiger Zwistigkeiten über die Abgrenzung der Gemeinden - der Regierungsrat musste in den Streit eingreifen - zögerte sich die Unabhängigkeit Hofen noch einige Zeit heraus. Der 1. Juni 1861 wurde zum Unabhängigkeitstag für Hofen. Der Tag wurde still begangen. Die eigentliche Unabhängigkeitsfeier hatte bereits im Vorjahr bei Wein, Käse und Brot stattgefunden.

Noch heute sind die Hofemer stolz auf ihre Selbständigkeit und denken nicht an einen Verwaltungszusammenschluss mit den Nachbargemeinden des Unteren Reiats. Beispiele von Verwaltungsbezirken aus der deutschen Nachbarschaft hatten eher noch eine abschreckende Wirkung auf die Bevölkerung des Unteren Reiats, obwohl natürlich in vielen Bereichen sinnvollerweise zusammengearbeitet wird.


Hofemer Industrie und Gewerbe

Ziegelfabrik im 19. Jahrhundert

Die Industrialisierung im 19. Jahrhundert machte auch in Hofen nicht Halt, und so wurde im Jahre 1834 die Ziegelei Hofen gegründet, welche ab 1861 ihren eigentlichen Fabrikbetrieb aufnahm. Ab 1870 gehörte diese Fabrik den »Vereinigten Ziegelfabriken Thayngen, Hofen und Rickelshausen« an.

Ziegelfabrik Hofen. Grösserer Umfang von 15½ KB
Die Ziegelfabrik Hofen während ihrer Blütezeit

Diese Fabrik produzierte Backsteine, Tonröhren und Dachziegel, welche z.T. auch heute noch auf den Dächern von Altbauten zu finden sind. Der Betrieb beschäftigte immerhin 100 Personen. Der Ton wurde in der »Lättgrueb« gewonnen und mittels einer 400 m langen Drahtseilbahn zur Fabrik transportiert. Auf Grund der Erschöpfung des Rohstoffvorrates musste der Betrieb im Jahre 1917 wieder eingestellt werden. Als Erinnerung an diese Zeit führt heute noch die Kanalstaubrücke bei der Wuhr über die Biber.

Übriges Gewerbe

Vor rund 120 Jahren besass Hofen noch ein reichhaltiges Handwerkergewerbe. So lebten damals noch ein Schmied, Maurer, Zimmermann, Glaser, Schreiner, Weber, Bäcker, Metzger und einige mehr im Dorf. Ausserdem existierte noch bis 1984 ein Dorfladen sowie bis 1978 eine Tankstelle, ebenfalls waren noch zwei Restaurants vorhanden.

Alte Postkarte von Hofen. Grösserer Umfang von 20 KB
Alte Postkarte aus dem Jahre 1893

Diese beiden Gasthöfe waren der auf der Postkarte zu sehende Schweizerbund und der Hirschen.


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